Im Sommer 2010 beschlossen meine Freundin und ich abends um die Häuser zu ziehen und einen schönen Mädels Abend zu machen. Wir gingen in meine Lieblingsbar und tranken ein paar leckere Coktails. Später am Abend beschlossen wir noch in eine nahe liegende Disko zu gehen. Da wir beide nicht mehr fahren konnten riefen wir uns dann ein Taxi um nach Hause zu kommen. Damit fing der Wahnsinn an. Ein, dem Anschein nach sehr netter Taxifahrer fuhr uns nach Hause. Wir unterhielten uns noch nett mit ihm und er fragte mich ob er mich mal zum Essen einladen dürfte. Bereitwillig stimmte ich zu, ohne zu ahnen was für Folgen das alles noch haben wird. Er gab ihm meine Handynummer und er sagte er meldet sich dann.
Kaum war ich zur Haustür drin kam auch schon die erste SMS, zum damaligen Zeitpunkt dachte ich mir noch nichts dabei. Bereits in dieser Nacht bekam ich 8 SMS von ihm. Am nächsten Tag lud er mich dann zum essen ein, er holte mich natürlich von daheim ab. Durch die Taxifahrt wusste er ja schließlich auch wo ich wohne.
Die Tage vergingen und wir unternahmen immer mehr miteinander, die ständigen Anrufe und SMS fand ich noch nicht so bedenklich, allerdings schon auffällig. Es verging keine Stunde ohne dass er sich nicht bei mir meldete. Immer öfters stand er dann auch unangemeldet bei mir vor der Haustüre.
Eines Abends blieb er dann auch über Nacht. Das war ein großer Fehler.
Ab diesem Zeitpunkt verlies er meine Wohnung nicht mehr und bei mir war die Angst vor ihm zwischenzeitlich so groß das ich mich auch nicht mehr traute etwas zu sagen.
Die Situation spitzte sich immer weiter zu.
Durch Zufall erzählte er mir eines Abends von seiner Exfreundin und dass ihm diese das Leben zur Hölle machen würde. Mir kam das alles sehr seltsam vor, also fing ich an nach dieser Exfreundin zu suchen. Wenige Tage später hatte ich ein Profil von ihr bei Facebook gefunden und schrieb sie einfach an.
Als ich in der Mail seinen Namen erwähnte flippte sie völlig aus und brach sofort den Kontakt zu mir ab. Völlig verunsichert fuhr ich nach diesen Ereignissen erst mal für ein Paar Tage zu einer Freundin um wieder einen kühlen Kopf zu bekommen. Doch die Harmonie hielt nicht lange an. Ständig klingelte mein Telefon ich war schon regelrecht paranoid, ich fühlte mich permanent beobachtet und konnte auch Nachts nicht mehr ruhig schlafen. Ich beschloss wieder nach Hause zu fahren und nochmals mit der der angeblich gestörten Exfreundin Kontakt herzustellen.
Diesesmal musste ich nicht lange warten und sie meldete sich, wir tauschten Telefonnummern aus und sie rief mich an. Am Telefon war ein völlig verstörtes Mädchen, viel jünger als ich. Sie war gerade mal 25 Jahre und hatte unglaubliche Angst. Sie erzählte mir wie (nennen wir in mal „E“) ihr das Leben zur Hölle macht. Er würde sie ständig anrufen, vor ihrem Haus rumstehen, plötzlich im gleichen Supermarkt wie sie einkaufen und und und.
Das war zuviel für mich. Ich schrieb E eine sms er solle mich in Ruhe lassen, sich nicht mehr melden und dass ich keinen Kontakt mehr zu ihm haben möchte.
Ich dachte damit sei das Thema für mich erledigt. An diesem Abend war ruhe. Ich ging normal ins Bett und auch am nächsten Tag war nichts. Ich fühlte mich zunehmend besser. Doch die ruhe war nicht von langer Dauer.
Es war Montagnacht als ich plötzlich draußen Geräusche hörte und mein Hund wie verrückt anfing zu bellen. Plötzlich hörte ich wie sich jemand an meiner Haustüre zu schaffen machte. Ich war wie erstarrt. Dann ging die Türe meines Schlafzimmers auf und E stand im Raum. Er hatte sich unbemerkt einen Hausschlüssel von mir nachmachen lassen. Ich verhielt sich als ob alles in bester Ordnung wäre und legte sich zu mir hin. Ich hatte einfach nur Angst.
Am nächsten Tag bekam ich ihn unter einem Vorwand aus meiner Wohnung. Ich war fertig mit den Nerven, schämte mich aber so dass ich nicht mal jemandem von der ganzen Sache erzählte. Wie konnte ich nur so dumm und naiv sein?
Ich fuhr zum Arzt und lies mich 2 Wochen krank schreiben. Danach lies ich den Schlüsseldienst kommen lies alles Schlösser austauschen. Ich packte meine Sachen und fuhr los. Ich fuhr an das andere Ende von Deutschland und besuchte einen guten Freund. Der Abstand war nötig ich war völlig fertig. Ich glaub ich hatte noch nie so viel geweint. Die Panik übermannte mich permanent, mein Herz schlug so fürchterlich schnell, ich war einfach kurz vor dem Durchdrehen.
Ein paar Tage im Norden und ich merkte wieder wie es mir besser ging. Ich genoss die Zeit und schlenderte durch Bremen. Plötzlich kam ein ungutes Gefühl in mir hoch. Ich drehte mich um und mir wurde schwarz vor Augen. Ich verlor das Bewusstsein. Als ich wieder zu mir kam stand eine Menschentraube um mich herum und in mitten dieser Menschen sah ich E. Er muss mir die komplette Strecke hintergefahren sein. Immerhin reden wir hier über 800 km.
Ich wusste dass es so nicht mehr weitergehen konnte. Ich ging in Bremen zur Polizei und dachte ich würde dort Hilfe bekommen. Aber weit gefehlt. Ich hatte das Gefühl man nimmt mich nicht mal ernst, so auf die Art „bist ja selbst schuld wenn du dich auf jemanden einlässt“.
Als ich wieder zuhause ankam eskalierte alles. Ich verlor meinen Job, weil E ständig bei mir im Büro anrief, ich hatte keine sozialen Kontakte mehr weil ich mich mehr und mehr von allem fern hielt. So konnte es nicht weitergehen.
Ich ging zum Anwalt und es kam zum Prozess. E wurde zu einer Geldstrafe verurteilt. Was meiner Meinung nach viel zu wenig ist. Inzwischen bin ich 2-mal umgezogen, hab eine Geheimnummer, ein neues Auto, ein neues Handy und den Kontakt zu jedem abgebrochen mit dem er mich nur irgendwie in Verbindung bringen kann. In 5 Monaten werde ich Heiraten und ich bin sehr glücklich, aber der Terror ist immer noch da.
