Ein nicht enden wollender Albtraum

Sie waren oder sind Stalkingopfer und möchten Ihre Geschichte erzählen?
Bitte nennen Sie keine Namen und Orte, so dass eine Wiedererkennung nicht möglich ist.
Bitte erzählen Sie was passiert ist, wo und wie Sie Hilfe gesucht haben, ob Ihnen geholfen werden konnte und ihre jetzige Situation (Stalkingsituation beendet oder dauert noch an)

Ein nicht enden wollender Albtraum

Beitragvon kleinessternchen am 15. Nov 2011, 10:46

Zuersteinmal möchte ich mich entschuldigen das ganz ist etwas lang geworden. :oops:

Im Sommer 2010 beschlossen meine Freundin und ich abends um die Häuser zu ziehen und einen schönen Mädels Abend zu machen. Wir gingen in meine Lieblingsbar und tranken ein paar leckere Coktails. Später am Abend beschlossen wir noch in eine nahe liegende Disko zu gehen. Da wir beide nicht mehr fahren konnten riefen wir uns dann ein Taxi um nach Hause zu kommen. Damit fing der Wahnsinn an. Ein, dem Anschein nach sehr netter Taxifahrer fuhr uns nach Hause. Wir unterhielten uns noch nett mit ihm und er fragte mich ob er mich mal zum Essen einladen dürfte. Bereitwillig stimmte ich zu, ohne zu ahnen was für Folgen das alles noch haben wird. Er gab ihm meine Handynummer und er sagte er meldet sich dann.

Kaum war ich zur Haustür drin kam auch schon die erste SMS, zum damaligen Zeitpunkt dachte ich mir noch nichts dabei. Bereits in dieser Nacht bekam ich 8 SMS von ihm. Am nächsten Tag lud er mich dann zum essen ein, er holte mich natürlich von daheim ab. Durch die Taxifahrt wusste er ja schließlich auch wo ich wohne.

Die Tage vergingen und wir unternahmen immer mehr miteinander, die ständigen Anrufe und SMS fand ich noch nicht so bedenklich, allerdings schon auffällig. Es verging keine Stunde ohne dass er sich nicht bei mir meldete. Immer öfters stand er dann auch unangemeldet bei mir vor der Haustüre.

Eines Abends blieb er dann auch über Nacht. Das war ein großer Fehler.

Ab diesem Zeitpunkt verlies er meine Wohnung nicht mehr und bei mir war die Angst vor ihm zwischenzeitlich so groß das ich mich auch nicht mehr traute etwas zu sagen.

Die Situation spitzte sich immer weiter zu.

Durch Zufall erzählte er mir eines Abends von seiner Exfreundin und dass ihm diese das Leben zur Hölle machen würde. Mir kam das alles sehr seltsam vor, also fing ich an nach dieser Exfreundin zu suchen. Wenige Tage später hatte ich ein Profil von ihr bei Facebook gefunden und schrieb sie einfach an.

Als ich in der Mail seinen Namen erwähnte flippte sie völlig aus und brach sofort den Kontakt zu mir ab. Völlig verunsichert fuhr ich nach diesen Ereignissen erst mal für ein Paar Tage zu einer Freundin um wieder einen kühlen Kopf zu bekommen. Doch die Harmonie hielt nicht lange an. Ständig klingelte mein Telefon ich war schon regelrecht paranoid, ich fühlte mich permanent beobachtet und konnte auch Nachts nicht mehr ruhig schlafen. Ich beschloss wieder nach Hause zu fahren und nochmals mit der der angeblich gestörten Exfreundin Kontakt herzustellen.

Diesesmal musste ich nicht lange warten und sie meldete sich, wir tauschten Telefonnummern aus und sie rief mich an. Am Telefon war ein völlig verstörtes Mädchen, viel jünger als ich. Sie war gerade mal 25 Jahre und hatte unglaubliche Angst. Sie erzählte mir wie (nennen wir in mal „E“) ihr das Leben zur Hölle macht. Er würde sie ständig anrufen, vor ihrem Haus rumstehen, plötzlich im gleichen Supermarkt wie sie einkaufen und und und.

Das war zuviel für mich. Ich schrieb E eine sms er solle mich in Ruhe lassen, sich nicht mehr melden und dass ich keinen Kontakt mehr zu ihm haben möchte.

Ich dachte damit sei das Thema für mich erledigt. An diesem Abend war ruhe. Ich ging normal ins Bett und auch am nächsten Tag war nichts. Ich fühlte mich zunehmend besser. Doch die ruhe war nicht von langer Dauer.

Es war Montagnacht als ich plötzlich draußen Geräusche hörte und mein Hund wie verrückt anfing zu bellen. Plötzlich hörte ich wie sich jemand an meiner Haustüre zu schaffen machte. Ich war wie erstarrt. Dann ging die Türe meines Schlafzimmers auf und E stand im Raum. Er hatte sich unbemerkt einen Hausschlüssel von mir nachmachen lassen. Ich verhielt sich als ob alles in bester Ordnung wäre und legte sich zu mir hin. Ich hatte einfach nur Angst.

Am nächsten Tag bekam ich ihn unter einem Vorwand aus meiner Wohnung. Ich war fertig mit den Nerven, schämte mich aber so dass ich nicht mal jemandem von der ganzen Sache erzählte. Wie konnte ich nur so dumm und naiv sein?

Ich fuhr zum Arzt und lies mich 2 Wochen krank schreiben. Danach lies ich den Schlüsseldienst kommen lies alles Schlösser austauschen. Ich packte meine Sachen und fuhr los. Ich fuhr an das andere Ende von Deutschland und besuchte einen guten Freund. Der Abstand war nötig ich war völlig fertig. Ich glaub ich hatte noch nie so viel geweint. Die Panik übermannte mich permanent, mein Herz schlug so fürchterlich schnell, ich war einfach kurz vor dem Durchdrehen.

Ein paar Tage im Norden und ich merkte wieder wie es mir besser ging. Ich genoss die Zeit und schlenderte durch Bremen. Plötzlich kam ein ungutes Gefühl in mir hoch. Ich drehte mich um und mir wurde schwarz vor Augen. Ich verlor das Bewusstsein. Als ich wieder zu mir kam stand eine Menschentraube um mich herum und in mitten dieser Menschen sah ich E. Er muss mir die komplette Strecke hintergefahren sein. Immerhin reden wir hier über 800 km.

Ich wusste dass es so nicht mehr weitergehen konnte. Ich ging in Bremen zur Polizei und dachte ich würde dort Hilfe bekommen. Aber weit gefehlt. Ich hatte das Gefühl man nimmt mich nicht mal ernst, so auf die Art „bist ja selbst schuld wenn du dich auf jemanden einlässt“.

Als ich wieder zuhause ankam eskalierte alles. Ich verlor meinen Job, weil E ständig bei mir im Büro anrief, ich hatte keine sozialen Kontakte mehr weil ich mich mehr und mehr von allem fern hielt. So konnte es nicht weitergehen.

Ich ging zum Anwalt und es kam zum Prozess. E wurde zu einer Geldstrafe verurteilt. Was meiner Meinung nach viel zu wenig ist. Inzwischen bin ich 2-mal umgezogen, hab eine Geheimnummer, ein neues Auto, ein neues Handy und den Kontakt zu jedem abgebrochen mit dem er mich nur irgendwie in Verbindung bringen kann. In 5 Monaten werde ich Heiraten und ich bin sehr glücklich, aber der Terror ist immer noch da.
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Re: Ein nicht enden wollender Albtraum

Beitragvon anna am 18. Nov 2011, 13:42

Hallo KleinesSternchen,

inwiefern besteht der Terror noch?
Alle Deine Kontakte abzubrechen ist vielleicht eine Notfallmaßnahme, aber keine Dauerlösung. Ich habe aber erst genauso gehandelt. Mir sind nur wenige Freunde geblieben, aber die sind mir sehr wichtig. Ich habe sie allumfassend informiert, so hat der Stalker nun keine Angriffspunkte mehr. Das war schwer, aber es war es wert. LG anna
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Re: Ein nicht enden wollender Albtraum

Beitragvon kleinessternchen am 7. Mär 2012, 15:13

Das ganze hat sich bis heute nicht wirklich geändert. Ich muss dazu sagen, dass ich zwei Schutzhunde (Schäferhund und Rottweiler) habe, die beiden schlagen jede Nacht an. Oft schleicht er bei mir am Schlafzimmer vorbei, drückt den Rollladen hoch usw. Am liebsten würde ich die Haustüre öffnen und meine Hunde raus lassen, aber das ist in Deutschland ja leider verboten.

Die Polizei interessiert sich herzlich wenig für das Thema Stalking, einer der Beamten hatte mir geraten, mein Grundstück komplett Video überwachen zu lassen, natürlich alles auf meine Kosten. Denn wenn man ihn nicht auf frischer tat ertappt kann der gute deutsche Rechtsstaat da nichts machen. Eine Unterlassungserklärung habe ich gegen ihn, aber was bringt schon ein fetzen Papier.

Zum Glück habe ich ganz nette Freunde die immer für mich da sind, ansonsten hätte ich die letzten beiden Jahre nicht überstanden. Es ist wie die Hölle auf Erden. Aber nach mehreren Therapiesitzungen ist es mir zumindest gelungen meine Angst davor zu verlieren.

Wenn ich an meinen Stalker denke empfinde ich nur noch Mitleid für diese arme kranke Kreatur!!!
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Re: Ein nicht enden wollender Albtraum

Beitragvon anna am 8. Mär 2012, 06:54

Hallo kleinessternchen,

der fetzen Papier ist schon sehr wichtig. Aber ich gebe Dir Recht, das mit der Beweissicherung ist schwierig und wichtig. Vielleicht solltest Du doch eine Kamera installieren. Die sind heute nicht mehr so teuer und die Installation ist wirklich einfach.
Hast Du denn auf die Verstöße reagiert? LG anna
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Re: Ein nicht enden wollender Albtraum

Beitragvon kleinessternchen am 8. Mär 2012, 08:37

Hallo Anna,

ja ich habe natürlich jeden Verstoß angezeigt, aber die Verfahren werden wie so oft eingestellt. Einer der Beamten meinte nur mal zu mir "es muss erst was körperliches passieren damit wir reagieren können". Das ist ja wohl ein Witz. Mein Stalker kennt sich leider was dieses Thema angeht auch sehr gut aus und verfügt über sehr gute Kontakte, er arbeitete bis vor einem Jahr beim Zoll. Was soll man dazu noch sagen.

Ja eine Kamera wäre wohl das beste, allerdings ist das Grundstück um mein Haus sehr weitläufig, hatte mir mal einen Kostenvoranschlag geholt und der lag bei schlappen 5.000,00 Euro. :o
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Re: Ein nicht enden wollender Albtraum

Beitragvon anna am 8. Mär 2012, 08:58

Hallo kleinessternchen,

die Aussage des Beamten verwundert mich etwas. Darauf gib bitte nicht viel. Sie stimmt nicht.
Auf welcher Grundlage werden denn die Verfahren von der Staatsanwaltschaft eingestellt? Das steht auf den Schreiben.
Die "Unterlassungsverfügung", ist die vom Familiengericht?...dann müsstest Du auch dort, Anträge auf Ordnungsgeld stellen, parallel zur strafrechtlichen Seite. LG anna
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Re: Ein nicht enden wollender Albtraum

Beitragvon kleinessternchen am 6. Jul 2012, 10:30

Hallo Anna,

war eine Weile nicht hier.

Die Verfahren wurden aufgrund mangels öffentlichen Interesse eingestellt und ich wurde auf den Privatklageweg verwiesen.

Grüße
Kleinessternchen
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Re: Ein nicht enden wollender Albtraum

Beitragvon LaLeLuna am 6. Jul 2012, 20:47

kleinessternchen hat geschrieben:Hallo Anna,

war eine Weile nicht hier.

Die Verfahren wurden aufgrund mangels öffentlichen Interesse eingestellt und ich wurde auf den Privatklageweg verwiesen.

Grüße
Kleinessternchen

Und genau deswegen rate ich Dir zu einer einstweiligen Anordnung nach dem Gewaltschutzgesetz. Ein Verstoß hiergegen ist dann ein Offizialdelikt und kann nicht wegen Mangel an öffentlichem Interesse eingestellt werden.
Sag nicht das es nichts bringt, steter Tropfen hölt den Stein! Hol Dir die Anordnung, führe ein exaktes Stalkingtagebuch und GIB NICHT AUF!
LaLeLuna
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